Ein Motorrad in seinem Ursprungsland zu bewegen ist immer ein besonderes Erlebnis. Wir haben uns in die Weiten der indischen Wüste Thar begeben um den neuen Crusier aus dem Hause Royal Enfield auf Herz und Nieren zu testen. Wie Super ist die Meteor 650?

 

Indien auf zwei Rädern ist immer ein Erlebnis

Das wird der letzte schwache Wortwitz dieses Texts bleiben, ich verspreche es hochheilig. Zurück zum Testort Indien, genauer gesagt das aride Rajasthan ein abwechslungsreicher Teil des Subkontinents. Seit meiner Reise zur Royal Enfield Rider Mania im Jahr 2019 in Goa lässt mich die Faszination für dieses exotische Land nicht los. Das größtes Bundesland Indiens zeigt mit der lange heiß umfehdeten Grenze zu Pakistan eine ganz neue Seite auf. Royal Enfield hat sich bei der globalen Präsentation für diese Region in der Wüste entschieden, da es hier für indische (Verkehrs-)Verhältnisse ruhig zugeht und die ewig langen Highways mit weit gezogenen Radien das ideale Terrain für das neue Flagschiff im Programm darstellt.

 

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Die Royal Enfield Super Meteor 650 kommt mit bekanntem Twin, der für souveränen Topspeed sorgt

Die Super Meteor 650 führt Royal Enfields Cruiser-Familie, die erstmals 2021 mit der sympathischen Meteor 350 auf den Plan trat, fort. Wie der Name schon vermuten lässt, baut das neue Premiumbike der traditionsreichen Marke auf der 648 ccm Twin Plattform, die in den beliebten Interceptor 650 und Continental GT 650 Modellen bereits für viel Freude gesorgt hat. Die Positionierung im komplett neu entwickelten Rahmen erfolgt leicht geneigt und die Motordeckel wurden neu designend im Inneren des Reihenzweiers bleibt aber alles beim alten.

Die Super Meteor 650 leistet 47 PS bei 7.250 Umdrehungen und hat ein maximales Drehmoment von 52,3 Nm bei 5.650 U/min zu bieten. Im Sattel fühlt sich der Motor dann etwas kerniger an, als in den sportlicheren Schwestermodellen. Er scheint in den Cruiser noch besser zu passen, als in die Interceptor 650 und Continental GT und liefert über ein gut abgestuftes 6-Ganggetriebe souveräne Kraft schon in niedrigem Drehzahlbereich. Die Gänge auszudrehen ist daher nicht erforderlich, dennoch ertappt man sich aber aufgrund des schönen Sounds aus den neu entwickelten Auspuffrohren hin und wieder dabei.

In einer großzügigen Auslegung der geltenden Geschwindigkeitsbegrenzungen auf den mautpflichtigen und daher menschenleeren schnürdelgeraden Highways Rajasthans, ließen es die einheimischen Guides ordentlich krachen. Bis 120 km/h beschleunigt die Super Meteor erstaunlich zügig, bleibt man dann am Gas sind nach einiger Zeit 160 im analogen Tacho abzulesen. Auch hinsichtlich des Durchzugs vermag die Super Meteor zu überzeugen und ist, vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass man hier auf einem Motorrad der A2-Klasse unterwegs ist nicht zu verachten.

Neue Federungselemente heben die Super Meteor auf das nächste Level

Neben dem neu entwickelten Chassis, ist es vor allem die erstmals verbaute 43 mm USD-Gabel vom renommierten Zulieferer Showa, die hinsichtlich der Fahrstabilität neue Maßstäbe im Royal Enfield-Universum setzt. Die nicht adjustierbare Big Piston Fork bietet 120 mm Federweg und einen guten Kompromiss aus Komfort und Sportlichkeit. Als es nach den ewigen Geraden dann doch ums Eck ging (meistens, wenn die parallel zum Highway verlaufende Bahnlinie mit riesigen Brückenstrukturen überfahren wurde), gab es wenig Anlass die ambitionierte Marschgeschwindigkeit zu drosseln. Mit Autobahntempo zieht der Cruiser superstabil durch lange Radien, der Radstand von 1.500 mm scheint dafür goldrichtig gewählt.

Weniger komfortabel als auf den ersten Blick vermutet erweisen sich die, in der Vorspannung einstellbaren Stereofederbeine im Heck. 101 mm Federweg sind nicht wenig für einen Cruiser, die Grundabstimmung ist jedoch eher auf der straffen Seite. Wer sich von der Super Meteor 650 also einen schaukelnden Softchopper erwartet, irrt gewaltig. Die gewählte Abstimmung passt in Summe gut zum hochgeschwindigkeitsstabilen Cruiser, ein Durchschlagen der Dämpfer scheint schwer vorstellbar. Ich bin dennoch froh, dass es in heimischen Gefilden keine Geschwindigkeitsschweller indischen Formats gibt, das würde mein Rücken nicht allzu lange mitmachen.


Handlig der Super Meteor, Fahrverhalten, Schräglagenfreiheit

Eines vorweg: Aufgrund der gewählten Teststrecken kann ich über das Fahrverhalten in Wechselkurven und engen Radien des Cruisers keine seriösen Angaben machen. Ein weiterer Test in Österreich ist also unumgänglich. Die Willigkeit mit der die Super Meteor beim Abbiegen und Umzirkeln diverser indischer Hindernisse, wie Kamele und Kühe eingelenkt hat lässt mich jedoch positiv auf die erste Ausfahrt in der Heimat blicken. Die gewählten Felgen- bzw. Raddimensionen von 100/90/19 vorne und 150/80/16 hinten lassen das ja nicht unbedingt erwarten. Der extrem niedrige Schwerpunkt der 650er in Kombination mit einem Lenkkopfwinkel von 27,6 Grad und einem Nachlauf von 118,5 mm dürfte daran jedoch nicht ganz unschuldig sein.

Die Schräglagenfreiheit der Super Meteor scheint ausreichend zu sein, jedenfalls dürfte sie über dem Klassenschnitt liegen. Die Überprüfung dieser Aussagen erfolgt dann, wie gesagt, im Frühjahr.

Eine würdige Bremse für die Royal Enfiled Super Meteor 650

Das Thema Bremse bietet bei manchen Royal Enfields Anlass zur Kritik. Die Twins zählten jedoch bisher nicht zu diesem Kreis und auch die Super Meteor 650 bildet hier keine Ausnahme. Am Papier erwartet man sich von zwei Single-Scheiben mit 320 mm vorn und 300 mm Durchmesser hinten sowie jeweils achsial gelagerten Zweikolben Bremssätteln keine Kunststücke, in der Praxis erwies sich die Bremse jedoch als absolut ausreichend und passend dimensioniert. Ein Zwei-Kanal ABS von Bosch verrichtet unauffällig und nur mit minimalen Vibrationen im Hebel zuverlässig seinen Dienst, es gibt hier also nichts zu bemängeln.


Technische Daten Royal Enfield Super Meteor 650 2023

  • Motor und Antrieb
  • Motorbauart Reihe mit Hubzapfenversatz
  • Zylinderzahl 2
  • Taktung 4-Takt
  • Hubraum 648 ccm
  • Leistung 47 PS
  • U/min bei Leistung 7250 U/min
  • Drehmoment 52,3 Nm
  • U/min bei Drehmoment 5650 U/min
  • Daten und Abmessungen
  • Länge 2260 mm
  • Breite 890 mm
  • Höhe 1155 mm
  • Gewicht fahrbereit (mit ABS) 241 kg

Der Cruiser ist durch die günstige Lage des Schwerpunkts sowie die niedrige Sitzhöhe bereits im Stand und noch mehr beim Fahren ein einfach und angenehm zu handelndes Bike.

15,7 Liter Tankinhalt bietet der relativ flache und breite Tropfentank der Super Meteor 650. Die Reichweite liegt somit dank des moderaten Verbrauchs definitiv jenseits der 300km.